Spfr. Dorfmerkingen – TSV Essingen 5:2 (3:2)

Fußball, Verbandsliga Essingen beginnt stark und geht in Führung, Dorfmerkingen liegt zur Pause mit Glück 3:2 vorne – und verdient sich der zweiten Halbzeit letztlich den 5:2-Sieg. Die beiden Trainer waren sich einig. Als Helmut Dietterle und sein Essinger Kollege Dennis Hillebrand nach dem Abpfiff zusammenstanden und das Spiel Revue passieren ließen, lieferten beide die gleiche Einschätzung: ein verdienter Sieg für Dorfmerkingen.

Am Anfang der Partie hatte es ganz anders ausgesehen. Die Essinger verfolgten einen Plan, der dem ähnlich sah, mit dem Paris gegen Bayern am Mittwoch in der Champions League früh die Weichen auf Sieg gestellt hatte: den Gegner von der ersten Minute an mit hohem Tempo und Aggressivität offensiv unter Druck setzen. „Wir hatten uns gesagt: Das ist ein Derby, da kaufen wir den Dorfmerkingern den Schneid ab“, sagte TSV-Trainer Hillebrand hinterher. Die Gastgeber gingen zwar durch ein frühes Tor in Führung – Fabian Weiß nutzte eine fahrlässige Lücke in der Essinger Innenverteidigung, um allein auf TSV-Keeper Philipp Pless zuzugehen, der wehrte ab, doch von Julian Biebls Bein prallte der Ball ab und rollte dann doch ins Tor. Doch Essingen ließ sich nicht bremsen und setzte die Sportfreunde so unter Druck, dass auch deren Defensive ins Schwimmen geriet: Christian Essig glich per Foulelfmeter aus (10.), Daniel Serejo war nach einem Eckball am kurzen Pfosten zur Stelle und traf drei Minuten später für Essingen.

Nach nur 13 Minuten waren die Gäste nun mit 2:1 in Führung. Die vielen Tore zu Beginn hatten nicht nur mit offensiver Qualität zu tun, sondern auch mit Nervosität und Fehlern. „In der hektischen Anfangsphase waren beide Mannschaften ziemlich aufgeregt – und haben entsprechend viele Fehler gemacht“, urteilte Dorfmerkingens Mittelfeldmann Tim Brenner, der verletzt zuschauen musste.

Das nächste Tor gehörte nicht in die Tore-durch-Fehler-Kategorie: SFD-Außenverteidiger Carl Murphy traf mit einem perfekten direkt verwandelten Freistoß zum 2:2, aus 20 Metern schlenzte er den Ball exakt ins rechte Tordreieck (25.). Drei Minuten später machte sich Marco Haller dann wieder einen Patzer der TSV-Abwehr zunutze, indem er nach einer zu kurzen Essinger Kopfball-Rückgabe das 3:2 machte. Eine glückliche Führung für Dorfmerkingen zu diesem Zeitpunkt, denn Essingens Simon Fröhlich war kurz nach dem 2:1 nach Essig-Freistoß frei zum Kopfball gekommen, der Ball ging ganz knapp übers Tor. „Seine Mitspieler haben Fröhlich klasse freigesperrt – das ist schwer zu verteidigen“, sagte SFD-Trainer Helmut Dietterle anerkennend.

Schwer zu verteidigen sind die Dorfmerkinger, wenn sie Platz haben zum Kontern. Die 3:2-Führung, die Essingen zunehmend zwang hinten aufzumachen, war die perfekte Konstellation für das konterstarke SFD-Sturmduo Nietzer/Weiß.

Dazu kam, dass Helmut Dietterle das durch Tim Brenners Ausfall defensiv sichtbar geschwächt gewordene Zentrum stabilisierte, indem er nach 25 Minuten Nicolai Sauer einwechselte. Die Umstellung brachte den gewünschten Erfolg, die SFD-Defensive ließ von jetzt an nur noch wenig zu.

 

Essingen hatte den Platzherren nun nichts mehr entgegenzusetzen. „Unser Plan ist nur 25 Minuten aufgegangen. In der ersten Halbzeit waren wir noch die klar bessere Mannschaft, doch dann hatten wir gar keinen Zugriff mehr“, meinte TSV-Coach Hillebrand. In der zweiten Halbzeit spielten die Sportfreunde-Fußballer ihre Konterstärke aus, erst traf Christian Scherer (56.), ehe Daniel Nietzer in der 83. Minute mit dem 5:2 die Sache endgültig klarmachte.

 

Es war ein ganz anderes Derby als das 0:0 der Dorfmerkinger eine Woche zuvor bei der Normannia in Gmünd, als sich der FCN vorwiegend ums Räume dichtmachen gekümmert hatte. Beim unterhaltsamen Sieben-Tore-Derby waren zwei Teams mit offenem Visier angetreten. „Beide Mannschaften wollten Fußball spielen“, sagte Helmut Dietterle anerkennend.

 

TSV-Keeper Philipp Pless tat sich dagegen schwer, das Torefestival positiv zu sehen: „Wenn man hier 2:1 führt, dann muss man so einen Vorsprung auch mal halten, den dürfen wir nicht so naiv wieder hergeben.“ Denn Lob bringt halt keine Punkte, und wenn es auch noch so schön klingt wie das von Dorfmerkingens Konterspezialist Daniel Nietzer: „Essingen war spielerisch die beste Mannschaft, auf die wir bisher getroffen sind.“

 

SFD: Zech – Gruber, M. Schiele, Fabian Janik, Murphy – Scherer (84. P. Schiele), Weissenberger, Haller, Kurz (25. Sauer) – Weiß (80. B. Schiele), Nietzer (87. Marianek).
TSV: Pless – Eisenbeiß, Klein, Acioglu (7. Fröhlich), Sedlmayer (75. Joos) – Essig, Faber, Biebl (60. Bergheim), Werner – Wende (60. Zimmer), Serejo.
Tore: 1:0 Weiß (7.), 1:1 Essig (10., FE), 1:2 Serejo (13.), 2:2 Murphy (25.), 3:2 Haller (28.), 4:2 Scherer (56.), 5:2 Nietzer (83.)
Zuschauer: 600
Bes. Vorkommnis: 80. gelb-rote Karte Werner (TSV)

 

© Schwäbische Post 01.10.2017